
Aylin Englisch und Yves Boczek, beide Mitglied im VdRSD, haben seit 2009 bzw. 2014 an zahlreichen internationalen Filmen und Serien mitgewirkt. Produktionen wie BRIDGE OF SPIES, DARK, BABYLON BERLIN oder DAS DAMENGAMBIT sind einige ihrer Store Manager Credits.
VSK: Aylin und Yves, wie sehen die wesentlichen Verantwortungen und Aufgaben des Store Managements aus? Was unterscheidet euch von euren Kolleg*innen, wie den Fahrer*innen, den Shoppern, Buyern und Art Department Koordinator*innen?

Yves: Als Store Manager ist man verantwortlich für das projektinterne Requisiten- bzw. Ausstattungslager. Man ist die Person, die bestenfalls immer weiß, was sich in welcher Anzahl und welchem Zustand an welcher Stelle im Lager befindet bzw. welche Sachen das Lager wohin verlassen haben. Kernelemente des Jobs sind Lagerhaltung, Ein- und Auspacken und Dokumentieren. Während die Kolleg*innen in der Abteilung vor allem mit dem „Heranorganisieren“ von Sachen beschäftigt sind, verwalten Store Manager diese Sachen im Hintergrund und ziemlich autark vom Rest der Abteilung. Berührungspunkte ergeben sich dann vor allem dadurch, dass z.B. anstehende Lieferungen oder Transporte zum Set besprochen werden. Den häufigsten Kontakt hat man mit den Fahrern, die die Sachen ins Lager bringen sowie mit den Dressern.
Aylin: Bei längeren Serienprojekten mit vielen Langzeitmieten ist in der Vorbereitungszeit eine genaue Dokumentation der Requisiten aus den verschiedenen Fundi wichtig, um in der Abwicklung alles wieder an den richtigen Ort zurückzuschicken. Im Drehzeitraum komme ich auch meistens zum Vor- und Rückbau mit ans Set, um den Überblick über den Verbleib der Sachen zu behalten. Gelegentlich hat man auch Zeit für kleinere Reparatur- und Patinierungsarbeiten.
Nach zehn Jahren als Produktionsfahrer ist Tom Kirsten seit 2014 vorwiegend als Requisiten- oder Set Decoration Fahrer beschäftigt. Werbeformate und internationale Kinofilme zählen genauso zu seinen vielseitigen Erfahrungen wie Fernsehfilme und Serien. Die schier endlose Liste seiner Erfahrungen umfasst beispielsweise Produktionen wie UNCHARTED, DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT, TATORT, BABYLON BERLIN, ELLA SCHÖN, DARK und BERLIN NOBODY (AT).
VSK: Du hast an vielen verschiedenen Formaten mitgewirkt, die sicher sehr unterschiedlich besetzt waren. Was sind deine Kernaufgaben als Requisitenfahrer bzw. als Set Decoration Fahrer, die sich niemals ändern und wer sind deine wichtigsten Kollegen?

Tom: Vielen Dank, dass ich mich zu meinen Aufgaben als Requisitenfahrer – Set Dec Fahrer hier äußern darf. Angefangen habe ich als Produktionsfahrer. Mich hatte nach 2005 aber immer mehr die Ausstattung bei Film und Fernsehen interessiert. Ich hatte das Glück 2013, bei dem Projekt MONUMENTS MEN als Set Dec Fahrer zu arbeiten. Es war ein gewaltiger Film, sehr aufwändig.
Durch meine Arbeit beim Studio Babelsberg, hatte ich bei der Baubühne in den ersten Jahren viel Erfahrung gesammelt. Wichtig ist es, das Drehbuch zu lesen. Dadurch verschafft man sich eine Übersicht, was alles auf einen zukommt.
Einerseits muss man als Requisitenfahrer die Adressen der Fundi kennen und einen guten Draht zu deren Mitarbeiter*innen haben. Andererseits ist es auch wichtig handwerklich geschickt zu sein. Dazu kommen Einkäufe über Kleinanzeigen oder bei Firmen. Das können große Schränke oder auch kleine Gegenstände sein.
Die Kommunikation mit den Mitarbeitern der Ausstattungsabteilung ist sehr wichtig. Alle Projekte sind unterschiedlich. Es gibt Filme die überwiegend im Studio gedreht werden aber auch Projekte in Motiven irgendwo in der Stadt oder auf dem Land. Dabei ist viel zu beachten.
Im Vorfeld ist schon zu berücksichtigen, ob ich einen Transporter oder ein Fahrzeug mit Ladebordwand anmieten muss. Habe ich viel zu laden und zu transportieren brauche ich Helfer.
Auch an den Motiven ist es wichtig, Helfer oder Set Dresser zu haben.
Die Zusammenarbeit mit Store Manager und Art Department Coordinator schätze ich sehr. Sie nehmen einem einerseits Arbeit ab, planen andererseits vieles im Voraus.
Es ist eine schöne Arbeit, viel in Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen.
Florian Wagner arbeitet seit zwanzig Jahren im Art Department und seit etwa zehn Jahren vorwiegend als Buyer für Set Decoration oder Requisiten. Als diplomierter Film und Fernsehwirt hat Florian in den verschiedensten Departments beim Film gearbeitet und schnell die Arbeit in der Ausstattung im Art Department als eine seiner großen Leidenschaften entdeckt. SPENCER, TÁR, BERLIN STATION sowie HOMELAND, BABYLON BERLIN und BRIDGE OF SPIES sind eine kleine Auswahl der verschiedenen Formate, an denen er als Prop Buyer oder Set Dec Buyer mitgewirkt hat.
VSK: Florian, was sind Deine Aufgaben als Set Dec und Props Buyer und wie bist du ins Art Department eingebunden?

Florian: Als Set Dec Buyer bin ich in erster Linie den Set Decorators gegenüber verantwortlich. Unter der Aufsicht und mit ihrer Genehmigung kaufe und miete ich Möbel, Materialien, Gegenstände, Objekte und Kunst, die wir als Dekoration für die Studio- und Location-Sets verwenden. Darüber hinaus lasse ich gezielt Sachen herstellen. Ich lasse Möbel bauen, polstern, beziehen, Vorhänge nähen, Lampen herstellen etc. Es wird finanziell abgewogen ob etwas zu finden ist oder ob es für das spezielle Set eventuell gebaut werden muss.
Dies erfolgt meist in enger Absprache mit den Set Designern, da ich mich bei den Anfertigungen an den Konstruktionsplänen der Sets und den entsprechenden Maßen orientieren kann.
Über die Jahre habe ich mir ein umfassendes Wissen über Möbel und Ausstattungen in der Geschichte verschiedener Epochen erarbeitet. Von einem Buyer wird außerdem erwartet, dass er oder sie die Landschaft der Stadt, in der man arbeitet, kennt und Arbeitsbeziehungen zu ihren Geschäften, Verkäufern und geeigneten Verleihern aufbaut.
Mein Netzwerk bedeutet mir Alles. Mir sind die Kontakte zu Händler*innen und Lieferanten sehr wichtig und helfen mir täglich bei meiner Arbeit. Ohne meine Kontakte, kann ich meinen Job nicht ausführen.
Wenn es ganz schnell gehen muss, geht das nur über lang aufgebautes Vertrauen.
Denn wenn Vertrauen entsteht, öffnen sich Türen zu privaten Sammlungen, verwunschenen Dachböden und eingestaubten Scheunen, in denen ich dann nach Schätzen suchen darf.
In Abwesenheit der Set Dec Assistenten kümmere ich mich auch um die Organisation und Delegation der Dresser und die Disposition der Logistik.
Bei Projekten mit mehreren Buyern teilen sich die Set Decorateur*innen die Sets auf und weisen jedem Buyer ein bestimmtes Set zu. Für jedes Set ist dann ein Einkäufer oder eine Einkäuferin zuständig, was für Ordnung sorgt und uns sehr eigenverantwortlich arbeiten lässt.
Darüber hinaus ist der ständige Austausch mit den Kolleg*innen, der anderen Departments, sowie die Schnittstellen im eigenen Team besonders wichtig:
Ästhetik & Kosten der Sets: Absprache mit Set Decorators / Szenenbildner*innen
Pläne / Bau / Maler: Absprachen mit dem Art Department
Kosten: Genehmigungen über das Accounting Department (digitale Genehmigungssysteme/ Überweisung / Petty Cash)
Drehorte On Location & Studio: Absprache mit der Motivaufnahmeleitung
Transporte und internes Set Dec Budget: Absprachen mit Art Department Coordinator (Teamplanung / Zoll / Internationale Transporte etc.)
Einkäufe und Materialfindung: Absprachen mit Shoppern und Requisitenfahrer*innen
Aufbau und Abbau der Sets: Absprache mit den Set Dressern
Lager und Logistik: Absprachen mit Store Manager (Wann kommt etwas und wohin geht es?)