

Er ist ein Mensch, dem der Austausch wichtig ist, die gegenseitige Inspiration. Der Film als Gemeinschaftsarbeit schätzt. Ist ein Motor und Mutmacher, der den Dialog der Gewerke hochhält. Seine Ideen zu Szenenbildern können für mich als Autor im Gespräch mit ihm schon Quell der Inspiration sein. Seine Szenenbilder sind sinnliche Angebote für die Schauspieler, die Haltungen vorgeben und ihrer Spielphantasie Flügel verleihen. Das hat er immer wieder getan, schon zu DDR Zeiten, wo er der Mangelwirtschaft durch Ideen und Improvisation getrotzt hat und in den vielen Filmen nach der Wende, wo es keine Mangelwirtschaft gab, aber oft zu wenig Budget. Das hat er getan mit der legendären Berliner Straße, die er für den Film Sonnenallee gebaut hat und die 15 Jahre stand und von Kollegen für andere Filme erweitert und verändert wurde in über 350 Produktionen von Polanski bis Tarantino.
Zwei deutsche Filmpreise hat er für seine Szenenbilder bekommen, aber wichtiger war ihm der Austausch über die Arbeit, unter anderem Mittwochs im Prater, wo er Szenenbildner und andere Filmschaffende zum lockeren Austausch versammelte und über Film, Kunst, Politik und Haltung sprach. Lothar ist ein verbindlicher und verbindender Mensch. Nicht nur bei seiner Arbeit. Das hat er an den Abenden im Prater gezeigt, aber auch als Professor für Szenenbild an der HFF Potsdam-Babelsberg. Auch hier geht es ihm darum, den Horizont der Studierenden zu erweitern: Er fordert Argumente jenseits bloßer Meinung. In seinen Kursen zur Literatur, in denen ich als Gast teilnehmen durfte, kommt er zurück zum Geschichtenerzählen. Zum Menschlichem, denn Effekte haben ihn nicht beeindruckt. Und spricht über die Wahrheit, die nicht unbedingt die Wirklichkeit ist. Was ist denn eigentlich echt? Das weiß Lothar natürlich, hat er seine Karriere doch damit begonnen, für seine Freunde Saisonkarten fürs Freibad Pankow zu fälschen. Und sieht deswegen immer die größere Wahrheit, die Wahrheit der Kunst und würde sagen: Es ist alles erstunken und erlogen und genauso war´s!

