

Die Atmosphäre entsteht durch ein Zusammenspiel von Räumen, Licht, Farben, Oberflächen, Patina, Handlungen, Charakteren, Gerüchen und Geräuschen. Es sind flüchtige Augenblicke in denen ein prickelndes Gefühl, eine Art von Magie entsteht.
Im Film kreieren wir gemeinsam für die Geschichte eine individuelle Stimmung. Alle kreativen Gewerke sind dabei beteiligt. Durch die Atmosphäre erzählen wir den Teil der Geschichte, welcher nicht auf den ersten Blick sichtbar sein muss und beeinflussen dabei die Gefühlswelt der Zuschauenden.

Oft wird die Atmosphäre im Script nicht klar definiert. Das erste spontane Gefühl beim Lesen des Textes kann aber einen Hinweis darauf liefern, wie sich die Betrachtenden beim Schauen des Filmes fühlen sollen und somit wie die Stimmung der Szene sein könnte. Als Head of Departement haben wir den Luxus, der Atmosphäre unsere eigene Note beifügen zu können.
Da es so schwierig ist, über Atmosphären zu sprechen, helfe ich mir oft mit Collagen aus. Dabei durchsuche ich meine gesamte Bildersammlung und versuche gleichzeitig an das Gefühl zu denken, welches ich hervorrufen möchte.
Passt eines der gesehenen Bilder aus der Sammlung zum Gefühl, so markiere ich es und verbinde die neu entstandene Bildgruppe zu einer Collage.
Gerüche, Oberflächen, kleine Handlungen und Geräusche füge ich mit Stichworten der Collage hinzu. Diese Art zu arbeiten funktioniert für mich, egal ob ich bei einem Projekt die Kamera halte oder das Production Design entwerfe. Es geht mir darum, mit den anderen Gewerken über ein bestimmtes Gefühl sprechen zu können.

Besonders inspiriert hat mich der Vortrag von Anna Sophie Hartmann, einer jungen Regisseurin, welche sich für ihren Film „Giraffe“ von existierenden Orten und Figuren inspirieren ließ, bevor sie ihren fiktionalen Film drehte.
Sie sprach davon, wie viel Zeit sie an den Orten verbrachte und wie diversifiziert ihre Feldstudien gingen. Die dabei entstandenen Fotos und Prosa sind Zeugen davon, dass die Filmemacherin auf der Suche, nach einer ganz bestimmten Atmosphäre war, welche sich nun in ihrem fertigen Film widerspiegelt.


Ihre Art zu arbeiten gibt mir Mut, in Zukunft mit meinen Kolleg*innen aus den anderen Departements öfters und vertiefter über die Atmosphäre einer Szene zu sprechen und darüber, wie wir die Stärken unserer unterschiedlichen Gewerke dafür einsetzen können, um eine vielschichtige Stimmung im neuen Film entstehen zu lassen.

Die Fotos sind Bilder von Orten und Situationen, die ich im Laufe der Jahre gesammelt habe und die mir eine Geschichte erzählen oder ein besonderes Gefühl in mir hervorrufen. Ich habe die Bilder mit meiner kleinen analogen Rollei 35S-Kamera aufgenommen, die ich meistens bei mir trage.

