

↑ Tides, Kinofilm, Szenenbild Julian R. Wagner

↑ Poll, Kinofilm, Szenenbild Silke Buhr

↑ Das weiße Band, Kinofilm, Szenenbild Christoph Kanter
Zeitgleich begann ich als Kulissenmalerin zu arbeiten. Die Arbeit an Filmsets hat die Entwicklung meiner Fotografie unterstützt. Das Gestalten von Sets hat für mich etwas Magisches. Auch hier wird eine künstliche Welt erschaffen, die als „Fotovorlage“ dient. Besonders die Malerei, das Imitieren von Strukturen und das künstliche Veraltern durch Patina, hat beim Herstellen der Filmsets einen großen Anteil.
Schließlich wurden meine Fotos zu Teilen von Stop-Motion-Trickfilmen. Diese Technik nutze ich, da sie einerseits aus einzelnen Bildern besteht, andererseits aber die vielen Bilder miteinander zu einem laufenden Film verbindet. Sie scheint mir ein Zwischenstadium zwischen Bild und Film zu sein.
Ich arbeite sehr gerne mit Farben und Farbmaterialien. Ich experimentiere leidenschaftlich mit diesen Substanzen, suche nach besonderen Effekten und nach malerischen Lösungen.
Es ist eine Malerei mit Fokus auf Farbauftrag und Farbreaktionen, die gezieltes Beobachten und Einsetzen von Farbmaterial voraussetzt. Die Malerei und vor allem die Patina, muss über den Gesamtraum gedacht und angewendet werden. Gemalte wie gebaute Oberflächen wirken zusammen. Das Gestalten eines Filmsets setzt eine intensive Beschäftigung mit dem Ort und seiner Geschichte voraus. Der Raum soll die gewünschte Atmosphäre bekommen, er soll die Geschichte visuell anschaulich machen. Er muss im Kamerablick, sowie in Präsenz eine bestimmte Stimmung erzeugen.
Die Gestaltung des Raumes beschäftigt mich in beiden Fällen, beim Malen und beim Bauen meiner Modelle für die Trickfilme.

↑ Werk ohne Autor
Ich inszeniere die Orte mit Hilfe von gebauten Modellen. Der Beginn ist stets der Schnappschuss eines für mich interessanten Alltagsortes. Das Bild eines Ortes erzählt durchaus viele Dinge: Wer sich hier aufhält, wie das Wetter ist, welche Mode vorherrscht, wie man sich bewegt etc. Ich baue sehr lange und sorgfältig an den Modellen. Das Bauen ist wie eine Art Malerei für mich. Material sind ausgedruckte Fotos, die zu dreidimensionalen Objekten werden. Ich bestimme die Farben, die Oberflächen, die Atmosphäre, den Raum. So entstehen Bilder, daraus schließlich ein Film, welcher einen Alltagsort vorstellt. Das Filmprojekt STADTWESEN, an dem ich seit 8 Jahren arbeite, besteht aus einzelnen Kurzfilmen, die jeweils an einem bestimmten öffentlichen Ort spielen.
Aber ich komme ohne Schauspieler aus. Meine Akteure sind sich bewegende Dinge. Dinge, die Menschen mit sich führen: Gebaute Miniaturen von Taschen, Jacken, Telefonen, etc. Die sich, dank der Stop-Motion-Technik, durch das Modell bewegen können. Sie sprechen sogar gelegentlich und geben eine Art menschlicher Geräusche wie in Tati-Filmen von sich.



↑ Film Nr. 5: Park Center Treptow, Standbilder aus dem Film
Es fasziniert mich, mit Bildern erzählen zu können. Ich liebe Comicstrips, Bilder in Bildern, Wimmelbilder. In meinen Filmen erzähle ich kurze Alltagsszenen, aber keine ganzen Geschichten.
Bei der Arbeit als Scenic Painter an den großen Filmsets beobachte ich wie die Sets und meine Arbeit beleuchtet werden, wie die Schauspieler darin agieren, wie die Kamera den Ort aus unterschiedlichen Perspektiven nutzt. Ich experimentiere auch innerhalb der Stop-Motion-Technik mit Licht, Ton, Schnitt und der Kamera. Ich imitiere Kamerafahrten und Kameraeinstellungen. Vor allem der Sound ist für mich ein sehr bereicherndes Arbeitsfeld geworden; er macht die Dinge zu Figuren und gibt den nachgebauten Orten zusätzliche Atmosphäre.

↑ Film Nr. 5: Park Center Treptow, Aufbau Rolltreppe

↑ Film Nr. 3: Toilettenräume der… Autobahnraststätte

↑ Film Nr. 4: Tankstelle in Berlin/Moabit, Standbild aus dem Film

↑ Film Nr. 6: Imbissbuden auf einem Parkplatz in Neustrelitz’